Heaven is an exploding halfpipe.



Spike Jonze and Unkle. Sound and image extraordinare. Nothing überamazing, but it’s great to watch.

This entry was written by Seb, posted on März 24, 2009 at 10:16 am, filed under Music. Leave a comment or view the discussion at the permalink.

Less Moss. More Hart.



Saw the Kills last night. Really good. Sometimes two people are really enough to make a huge crowd happy. Only Jon Spencer and his Blues Explosion were dirtier. But hey, they are three. Unfortunately they didn’t play my favourite song. So here it is.

This entry was written by Seb, posted on März 16, 2009 at 12:07 pm, filed under Music. Leave a comment or view the discussion at the permalink.

London, Paris, Snaps.



Do you wish to see the world? Go to the airport – or the optician.

This entry was written by Seb, posted on März 11, 2009 at 5:39 pm, filed under Snaps. Leave a comment or view the discussion at the permalink.

Tom was here.



We took a trip round the harbour. We had burgers, schnitzel and beer. We didn’t have Labskaus. We saw Vegas and Switzerland in H0 and prostitutes in XXX. All bloody tops. Now he’s back in London. In the warm bosom that is WK. See you there, sunshine.

This entry was written by Seb, posted on März 9, 2009 at 10:46 pm, filed under Hooray. Leave a comment or view the discussion at the permalink.

Eine Hafennacht.

Es gibt wenige perfekte Abende.
Oder Nächte. Irgendwas stimmt immer.
Oder eben nicht. Aber meistens auf jeden Fall nicht alles. Diese guten Abende kommen interessanterweise immer in Gestalt von Abenden, die garantiert nicht gut sind. Bei mir war es ein Abend mit dem Namen “Zuerst glühen wir bei mir in Wandsbek vor und dann gehen wir ins Alt Hamburg am Hans-Albers-Platz”. Es tut mir wirklich leid. Ich mag intolerant sein. Oder bequem. Oder ein überheblicher Spinner. Aber kein Abend in Hamburg kann gut werden, wenn er Wandsbek und Hans-Albers-Platz in der Ankündigung trägt. Das ist ein Fakt. Genau wie die Tatsache, dass Marmeladenbrot immer mit dem Marmelade nach unten auf dem Küchenboden landet. Das hinterfragt man auch nicht. Das ist eben einfach so.

Reden wir also von jetzt an lieber von Nächten. Denn Wandsbek ist keine Reise wert. Nicht für Wodka und nicht einmal für Eva. Um deren Geburtstag und Einladung es ging. Oder eher Nachgeburtstagswehen. Denn die Geburt hatten wir schon. Im Zwick. Das wäre im Übrigen ein noch schlimmerer Abend. Wandsbek, Zwick, Hans-Albers-Platz. Aber ersteres habe ich mir ja wie gesagt erspart und das zweite dankenswerterweise schon hinter mir.

Also kommt irgendwann so gegen halb 1 Uhr nachts eine SMS. Es geht wohl los. Von Vorglühen halte ich nichts. Schon vom Wort nicht. Das benutzen nur Leute, die nicht Vorsaufen sagen wollen, was richtiger wäre, da es den Umstand viel besser trifft, aber das machen wir nicht, sondern wir glühen vor. Also ich wie gesagt nicht. Die Wandsbek-Fraktion. Ich nehme mir ein Warsteiner aus dem Schrank, von dem ich nicht weiß, wie es dort hingekommen ist, und gehe zur U-Bahn. Wie in Hamburg üblich warte ich geschlagene 16 Minuten auf die liebliche U3. Aber es ist ja auch schon spät, nicht.

Es geht nach St. Pauli. Vom Eppendorfer Baum aus. Das ist, nebenbei bemerkt, eine Tatsache, die ich immer sehr gerne unterschlage. Ja, ich wohne in Eppendorf. Oder habe es zumindest. Eppendorf ist ein schöner Stadtteil. Es gibt keine Pudelfrauen, die nichts anderes zu tun haben, als Nachbarn zu nerven, weil ihr eigenes tristes Leben so unerträglich geworden ist, dass andere Leben nun dafür büßen müssen. Und auch keine Alkoholleichen aus Harburg, denen die Mission der letzten Nacht ins Gesicht geschrieben steht. Oder, wenn man Pech hat, über den Körper verteilt wurde. Aber zurück nach Eppendorf. Als ich das erste Mal hier war, hat es mich ein wenig an London erinnert. Was ein Umstand ist, der mir den Stadtteil sehr sympathisch machte.

Unsympathisch dagegen ist die zu hohe Anzahl an Porsches, Tuaregs und Minis, die überall im Weg herumstehen und die extrem hohe Anzahl an Frauen und Männern, die jeden Tag aufs Neue den Beweis dafür erbringen, dass man Geschmack wirklich nicht kaufen kann. Obwohl es über die Jahre besser geworden ist. Es gibt mittlerweile interessant aussehende Menschen hier. Positiv interessant.
Aber aufgrund von hochgestellten Polohemdkragen, Gucci-Sonnenbrillen und auffällig vielen Golden Retrievern, muss man sich für Eppendorf immer noch verteidigen. Schade eigentlich. Aber so ist es mit der Toleranz. Sie hört meist bei der eigenen Schublade auf. Oder eben der Stadtteilgrenze. Idioten gibt es überall. Sehr viele davon übrigens in den Stadtteilen, von denen man denken würde, dass dort die toleranten Epizentren wären. Sind sie es nicht. Wirklich. Oft genug erlebt. Und mitbekommen.

Aber lassen wir das. Zurück nach St. Pauli. Dort bin ich nach einem Warsteiner nun angekommen und stehe da so rum. An einer Ampel. Die Reeperbahn vor der Nase. Und den Duft von billigem Parfüm drin. Das kommt aus Richtung einer Gruppe, welche ich in Richtung Pinneberg einordne. Oder Ahrensburg. Weit draußen auf jeden Fall. Und offensichtlich auch weit genug weg von einer ordentlichen Parfümerie. Aber bald verfliegt der Duft schon, wie ich da so die Reeperbahn runterlatsche. Zu dieser Uhrzeit bin ich einer der wenigen bei denen man es noch Latschen und nicht Torkeln nennen kann. Aus allerlei Assibetankungsanlagen stolpern mir Menschen entgegen und freuen sich des Lebens, des Alkohols, der Jenny neben sich, dass man gerade schiffen war und mit Abstand die längste Nudel im ganzen Pissoirbereich hatte oder der Tatsache, dass man nach 13 Bacardi-Cola immer noch scho szön nühüchtern isch und der Mihi die bester Freund. Vonne ganzen Welelelt. Umarmung, Schmatzer, Gröhl.

Mittlerweile habe ich noch eine SMS bekommen. Alt Hamburg war wohl doof. Ach Mensch. Hätte ich jetzt persönlich nicht gedacht. Deshalb ist die neue Devise: Vicious Gallery in der Kleinen Freiheit. Joa. Die habe ich vom Namen her schon mal gehört. Und es ist auf jeden Fall nicht direkt Reeperbahn. Was ein Vorteil ist. Die besten Läden gibt es eh in den Seitenstraßen. Je weiter und schwieriger zu finden, desto besser. Die Kleine Freiheit kenne ich zwar nicht, ordne sie aber in die Nähe der Großen Freiheit ein und hoffe inständig, dass ein findiger Städtebaumeister das vor längerer Zeit genauso gesehen hat und sie nicht vollkommen betrunken, wie Beamte halt so sind, irgendwo nach Eimsbüttel gepackt hat. Ich gehe also davon aus, dass die besagte Miniversion irgendwann hinter dem Grünspan von der großen Schwester abgeht und wenig später eben diese runter. Es ist voll. Wie immer. Ich erinnere mich daran, dass wir früher vor Konzerten hier immer in eine kleine Kneipe namens Bierbörse gegangen sind. Die gibt es hier nicht mehr. Wahrscheinlich wurde sie durch irgendwas ersetzt in dem kleine Michis sich für 99 Cent einen ansaufen können, damit sie nachher genug Mumm haben, der Jenny in einem Hauseingang um die Ecke mal zu zeigen, warum den Michi immer noch keiner Michael nennt. Der letzte Jägermeister erspart ihr so wahrscheinlich den kleinen Pascal und damit ihren ganz persönlichen Beitrag zur Geburtenrate unter Minderjährigen. Zumindest solange bis sie einen René trifft. Die können immer.

Die Große Freiheit bringe ich also schnell hinter mich, wobei schnell aufgrund des Gedränges eine sehr dehnbare Beschreibung ist. Hinter der Thai Oase wird es ruhiger und ich erreiche das Ende der Freiheit. Dummerweise habe ich bisher kein Anzeichen der Kleinen gesehen. Aber da mein Bier eh alle ist und ich wahrscheinlich ein echtes Wandsbeker Vorglühen einholen muss, gehe ich zu einem türkischen Kiosk, hole mir noch ein Bier und die Wegbeschreibung zur Kleinen Freiheit. Strasse einfach runter. Aha. Türkische Kioske sehen übrigens alle gleich aus. Ich habe mal gelesen, dass Guinness einen eigenen Katalog hat, in dem sich die Betreiber von Irish Pubs eine komplette alte, irische Kneipe inklusive urigem Charme und einem gepfeffertem Ausschankvertrag mit Guinness bestellen können. Deshalb sehen alle Irish Pubs weltweit so aus, wie sie eben sind. Irisch. Und aus einem Guinness-Katalog. Keine Ahnung, wer sowas für türkische Kioske anbietet, aber er hat es geschafft. Sie sehen immer gleich aus und dabei vor allem eins: so gar nicht türkisch. Aber bereits bevor ich den netten Worten des Besitzers in die wahrscheinlich richtige Richtung folge, klingelt meine Jacke.
Es ist Eva. Man steht dann jetzt wohl in der Großen Freiheit. Wie praktisch. Da komme ich gerade her. Den Weg kenne ich dann ja, nicht wahr. Insgeheim frage ich mich aber, wie sie von der Kleinen in die Große gekommen sind, ohne meinen türkischen Kiosk zu passieren. Das wird aber, wie so vieles an dem Abend ein Rätsel bleiben. Nach ein paar Schluck Bier laufe ich also auf sie zu. Eva, deren Gesicht man ansieht, dass sie so ganz viel Spaß hatte bisher. Lisa mit breitem Lächeln und ganz laut und bunt und toll. Daneben jemand, der mir als Axel vorgestellt wird. Ein Name bei dem ich immer sofort an zwei Dinge denken muss: Eddie Murphy und Deo. Eltern sollten sich vor der Namensgebung über solche etwaigen Assoziationsketten Gedanken machen. Wirklich. Also ich werde es auf jeden Fall tun. Zumindest nehme ich es mir vor. Und dann ist da noch Käthe, die später das Wichtigste an diesem Abend sein wird und mich in dieser Nacht so ganz für sich einnehmen wird, was ich zu diesem Zeitpunkt aber natürlich noch nicht ahne. Denn die Hauptrolle in Evas Nachwehen-Dingsbums ist ja klar vergeben. An Eva.

Da der Hans-Albers-Platz ja, Gott sei Dank, schon abgeklappert ist und ich mich auch weigere den Weg durch die Große Freiheit noch einmal zu bahnen, beschließen wir hinten rum zum Hamburger Berg zu gehen. Während wir den Transenstrich langlaufen und jeder irgendwie redet, ist das erste Ziel klargemacht. Blauer Peter. Unsere kleine Gruppe passt da zwar so gar nicht rein, aber das Bier ist eben billig. Im Nachhinein glaube ich, war dies eine Entscheidung von Axel und mir. Als wir besagten Laden an der Ecke erreichen, ist es jedoch vor allem meine und die Wahl der Damen, möglichst schnell weiterzugehen. Hier hat sich seitdem ich 18 Jahre alte war so gar nichts verändert. Was ja einerseits gut ist, andererseits aber auch echt tragisch. Ich möchte ungern mit meiner Vergangenheit draußen vor dem Peter stehen und mir mit anderen Stehenden und manchmal auch Stehengebliebenen aus Nullfünf-Holstenflaschen zuprosten.
Deshalb geht es weiter. Lisa hat Käthe im Arm und beide lachen. Laut und toll. Axel und ich laufen dahinter. Und Eva irgendwo dazwischen. Aus heutigem Stand ein ganz interessantes und irgendwie die Zeit vorgreifendes Bild.

Nach einigen fragenden Blicken und verneinenden Kopfschütteln können wir uns alle auf Rosis Bar einigen. Mein letztes Erlebnis in Rosis Bar hatte ich mit Martin Meyer, einem ganz alten Freund aus Stade. Die Erinnerung daran setzt aber irgendwann auf einem Sofa bei Rosi aus und erst wieder bei mir zu Hause am nächsten Morgen ein. Es muss aber gut gewesen sein. Das mit der Erinnerung wird sich ab heute auch wiederholen. Aber in noch nie da gewesener Form. Für die nächsten Wochen werde ich mein Zeitgefühl so vollkommen ausschalten. Es wird genauso unbrauchbar sein, wie der IT-Obervogel in unserer Agentur. Aber heute wird es noch funktionieren. Zumindest halbwegs. Drinnen bei Rosi ist es laut. Klar. Voll. Auch klar. Und erdrückend heiß. Um diese Jahreszeit nicht unbedingt klar, aber aufgrund der zappelnden Studentenkörper erklärlich. Ein Muskel-DJ nur mit Weste und Hut bekleidet versucht sich laut johlend an Bucovina Disco. Hört sich ganz gut an. Macht auf jeden Fall gute Laune.

Schnell finden wir unsere kleine Ecke neben der Bar und Axel drückt mir ein Bier in die Hand. Ich mag Axel. Beschließe ich. Er hat mir ja schließlich ein Bier in die Hand gedrückt. Der Großteil der Zeit hier wird jetzt daraus bestehen sich mit Lisa zusammen über einen kleinen Asiaten lustig zu machen. Neben der Bar und ganz offensichtlich um die Frau dahinter zu beeindrucken, versucht er sich an betont lässigen Tanzbewegungen, die er wohl in Richtung Justin Timberlake einordnet, Lisa und ich aber eher als Mischung zwischen Steve Urkle und einem kleinen Asiaten eben, der so gar kein Gefühl für Rhythmus hat. Nachdem er langweilig geworden ist, stürzen wir uns auf ein Mädchen. Wahrscheinlich Soziologiestudentin, die Bob Marley als ihren Musikguru erkoren hat und ihre Haare auch unter so einer Rastafari-Häkel-Strick-Was-Auch-Immer-Kopfbedeckung zusammenpfercht, die mit ihr zur Musik und dabei meist neben den Takt mithüpft. Zudem scheint es einen teuflischen Bekleidungshersteller zu geben, der aus den Tiefen der Vorhölle, da wo man bestickte und bestrasste Karottenjeans trägt, Cordschlaghosen auf die Oberfläche schickt, die solche Mädels dann in der Fortuna-Spielhalle in der Marktstraße kaufen und dann ausführen können. Woher ich das alles weiß? Keine Fragen. Manche Dinge muss man eben selbst mitgemacht haben. Mittlerweile habe ich ein neues Getränk von Axel bekommen. Er wehrt sich dagegen, dass ich was bezahle und tanzt stattdessen jetzt ganz doll in der Menge. Nein, bei Axel sollte man es toben nennen. Und ich mag es.
Mein altes Bier habe ich kopfüber auf den Lampenschirm neben uns gesteckt und bin nun immer mit einer Hand dabei zu verhindern, dass Käthe es um und damit auf ihren Kopf reißt. Ich stehe nun schon länger hier so neben ihr und wir unterhalten uns. Zwischendurch ist übrigens Eva, die eigentliche Hauptperson dieses Abends gegangen. Es war wohl zu viel Bucovina und zu wenig die Hände zum Himmel. Nun ja, sagen wir so, der Abschied hat der Nacht nicht weh getan. Mittlerweile ist bei mir auch der vorhin angesprochene Punkt erreicht. Ich kann mich an die Gespräche nicht wirklich erinnern. Nur daran, dass ich an Käthes Lippen hing. Und sie irgendwie auch an meinen. Zu diesem Zeitpunkt natürlich rein interessefreundschaftlichkeitshalber.
Versteht sich.

Nach ein paar Getränken mehr, ich durfte mittlerweile auch was bezahlen – ich glaube es war Wodka-Tonic für Käthe und Lisa – gehen wir raus und zu Maccy D’s, wie Edd in London immer gesagt hat. Ich weiß nicht, ob es mir so vorkam, aber ich habe ab hier nur noch Käthe an meiner Seite. Also bewusst an meiner Seite. Lisa und Axel holen sich drin zwei Burger, welche zur Hälfte von Käthe und mir adoptiert werden, und ich lasse mir derweil draußen erklären, dass Lisa und Axel so ganz niedlich und verliebt sind und es unsere Aufgabe wäre, den beiden etwas Qualitätszeit miteinander zu verschaffen. Da es irgendwann nachts auf der Reeperbahn nicht allzu viel romantische Dinge gibt, die man tun könnte, schicken wir sie zusammen Lisas Rad holen. Wir selbst holen uns von drinnen noch was zu essen.
Zwei halbe Burger sind eben kein ganzer.
Nach Axel und Lisas erfolgreicher Fahrradholrückkehr, beschließen wir, dass mehr getrunken werden sollte und machen uns auf den Weg zu einer meiner zwei Lieblingsbars in Hamburg. Die eine, das alte und erste Zoë ist wegen Renovierungsblah geschlossen und wird deshalb im Laufe der nächsten Wochen so gar keine Rolle spielen können. Was schade ist, denn frisch renoviert sieht es genauso aus wie vorher. Was nicht das Ziel einer Renovierung sein sollte, aber das nehme ich für bequeme Sofas und einen Moscow Mule in Kauf. Die andere Lieblingsbar ist die Bernsteinbar und leider ein gutes Stück zu weit weg. An diesem Abend. Aber sie wird später noch eine nicht unwichtige Rolle spielen. Für mich. Und Käthe. Doch davon wissen wir jetzt eben noch nichts. Da das Zoë also nicht-renovierend renoviert wird, gehen wir vier die Straße runter zu einer Bar, die sich in den letzten Atemzügen für diese Nacht befindet. Aber wir dürfen noch was trinken bei den Drei Freunden. Obwohl wir, wie gesagt, ja vier sind. Wie bei solchen Verkuppelungsnummern üblich, sitzen Lisa und Axel zusammen und die übrigen, in diesem Fall Käthe und ich, auch. In praktische Zweiergrüppchen geteilt. Nur die Frage, wer hier wen verkuppelt, kann ich im Nachhinein nicht beantworten. Denn von Axel und Lisa bekomme ich ab jetzt nicht mehr viel mit. Außer, dass sie sich irgendwann verabschieden. Käthe und ich kleben seit gefühlt Stunden an den Lippen des jeweiligen anderen. Ich kann gar nicht mehr sagen, worüber wir alles geredet haben. Nur eben, dass es alles war. Alles, was in unseren Köpfen rumspukte und in unseren Leben passierte. Oder eben nicht passierte. Oder ganz und gar falsch lief.

Irgendwann werden auch wir freundlich aus der Bar gefegt. Eigentlich der Zeitpunkt, an dem man auseinander geht. Doch wir zwei denken so offenbar gar nicht daran. Es ist kalt und so gehen wir Arm in Arm. Und tun das, was so ziemlich jeder in einer kalten Nacht tun würde. Wir gehen zur Esso-Tankstelle am Spielbudenplatz, um mit neuen Getränken beladen zum Platz vor der Amphore zu gehen. Im Nachhinein betrachtet aufgrund der Temperatur total bescheuert und trunken. Aber irgendwie auch ganz niedlich.
Zunächst finden wir uns aber vor den bunten Regalen der Essotankstelle wieder. Ein paar Witze über die Korefe und Product Design später stehen wir mit, wie mein Opa sagen würde, “diesen Alkoholpoppgetränken” an der Kasse. Käthe zahlt. Was gut ist, denn ich habe so gar kein Geld mehr. Arm in Arm geht es weiter zur Amphore.

Es wird so ganz langsam hell. Ist aber noch dunkel, als wir uns auf die Holzplanken setzen und unsere Flaschen in den Sand stellen. Schön ist es hier. Nur von einem Platz in Hamburg ist die Stadt genauso schön. Insgeheim beschließe ich, von dort auch einmal mit Käthe auf den Hafen zu schauen. Doch in diesem Moment wäre die Köhlbrandbrücke der wohl ungeeigneteste Ort für uns zwei. Und unseren Zustand. Ein wenig trunken. Vom Alkohol. Und von uns. Irgendwann werden wir aber auf der Brücke stehen. Nachts. Und es wird gut sein. Nur müssen wir uns beeilen. Sie wird ja bald abgerissen. Und damit auch ein Teil meiner Jugend. Denn der Blick von ihrer Spitze aus hat mich jahrelang als erstes begrüßt, wenn ich nach Hamburg kam. Mit meinem kleinen blauen Ford. Ungefähr genauso wie diese Erinnerung jetzt gerade in diese vor dem Amphore sitzen und ganz romantisch, das aber ungeplant, auf den Hafen gucken Geschichte einbrach, platzte in der Realität Pawlek in unsere Zweisamkeit.

Ein junger berucksackter Mann ohne Zigaretten aber mit Schmacht stand also vor uns. Nur um sich wenig später mit einer meiner Zigaretten im Mund niederzulassen. Alles in allem ein ganz netter Kerl aus Harburg. Wirklich. Liebenswert. Auf jeden Fall nicht das, was man aufgrund des Namens und Harburg erwarten würde. Er erzählte von seiner Firma KLM, die mich sofort an den Urlaub in San Francisco und New York denken ließen, den ich niemals antreten sollte. Nur war Pawleks KLM eben nicht die holländische Fluggesellschaft sondern eine Firma für Licht- und Messetechnik. Und so zeigte er uns Zeichnungen für Messestände, die ich mit höflichem Interesse und Käthe mit höflichem Lass-uns-jetzt-bitte-endlich-allein-Nichtinteresse kommentierten. Interessanterweise störte es unseren neuen Freund auch nicht, dass ich ihm erzählte, Käthe und ich seien verheiratet und hätten zwei Kinder, die wir heute Abend allein zuhause gelassen hätten, um uns ordentlich den Kopf abzuschrauben. Es führte nur zu einem Offenbarungseid seiner eigenen Familienverhältnisse, nach dem er sich dann auch langsam wieder auf den Weg Richtung Hauptbahnhof machte. Wir waren also allein mit uns. Wieder. So wie eigentlich schon seit Stunden. Denn was zählen Massen um einen herum, wenn man sie sowieso nicht wahrnimmt. So war es bei uns. Wir hatten Augen und Ohren. Aber nur für den anderen. Für nichts sonst.

Langsam aber sicher wird es heller. Das erste Licht des Tages taucht den Hafen in einen Glanz und macht uns bewusst, wie lange wir jetzt schon zusammen sind. Dort und hier. Leider ist es auch nicht wärmer geworden und so machen wir uns auf den Heimweg. Auch das wieder Arm in Arm. Als ob es das natürlichste der Welt wäre. Und einfach so gehört. Vielleicht ja genau das. Vielleicht sogar ganz sicher genau das. Im ersten Tageslicht laufen wir also über den Kiez. Zwischendurch schießt mir ein Gedanke durch den Kopf. Was wenn uns jemand sieht? So? Arm in Arm. Eigentlich sollten wir das beide nicht. Aber wir tun es. Und der Gedanke ist schneller wieder weg, als er gekommen ist. Er weicht dieser unglaublichen Nähe, die da zwischen uns ist. Von der ich nicht weiß, wo sie auf einmal herkam und wie es sein kann, dass sie auf einmal schlagartig da war. Ich könnte stundenlang so neben ihr laufen und mit ihr reden, denke ich. Etwa so kommt es mir auch vor. Aber es waren wohl nur ein paar Minuten. Und schon standen wir vor ihrer Wohnung.

Willst du noch mit raufkommen?

Soll ich dich noch nach oben bringen?

Immer noch streiten wir uns darum, wer eigentlich nun was gesagt hat. Dabei ist der Weg herzlich egal. Das Ziel stimmte. Ihr Sofa. Für ein paar Stunden. Reden. Sich in die Augen schauen. Und noch mehr reden. So wie es Freunde tun, rede ich mir ein. Aber ich glaube, jeder andere Mensch, der uns gesehen hätte, wüsste sofort, dass eine Freundschaft niemals so beginnt. So intensiv. Und so ganz ohne Zurückhaltung. Eng und nah. Und so sitzen wir dort. Tauchen ganz tief in die Augen und Lippen des anderen und hören zu. Lassen uns vielleicht sogar ganz berühren. Berührung ohne Berührungen. Doch irgendwann ist es Vormittag. Und Zeit zu gehen. Obwohl ich es eigentlich noch nicht will. Eine Ewigkeit könnte ich so mit ihr hier sitzen und einfach nur auf das hören, was sie sagt. Mit Worten. Und ohne.

Aber es wird Zeit. Und so ging ich.
Ohne sie zu verlassen.
Denn das Wichtigste blieb bei ihr.

Ich.

This entry was written by Seb, posted on März 3, 2009 at 10:37 am, filed under . Leave a comment or view the discussion at the permalink.