Liebe, Hitler und Mazedonischer Kadarka.

Bis vor kurzem war ich mir sicher, zu wissen, was Liebe ist. Wie gesagt, bis vor kurzem. Irgendetwas da draußen wollte mir wohl beweisen, wie falsch ich mit meiner Annahme liege, dass ich ja genau wüsste, was das ist. Liebe.

Leider ist es mit der Liebe jedoch wie, das mag für viele jetzt ein unpassender Vergleich sein, aber ich finde ihn hervorragend, weil er unglaublich gut beschreibt, wie falsch ich mit meiner Annahme der Liebe lag oder wie weit man da halt danebengreifen kann. Also, Achtung, jetzt kommt ein Vergleich, Liebe ist ein wenig wie Mazedonischer Kadarka.

Was das ist?

Mazedonischer Kadarka ist ein, liebe Mazedonier fasst das bitte nicht als Beleidigung auf, unglaublich billiger Fusel. Abstammung: Rotwein. Lieblich. Wenn man eine halbwegs gute Discounter-Kette erwischt, so wie ich damals mit 15, hat er sogar einen Jahrgang. Meist einen sehr, sehr aktuellen. Man könnte sogar sagen: frischen. Wenn man Pech hat, kommt Mazedonischer Kadarka jedoch ohne Jahrgang, dafür aber mit geografischer Herkunft. Was super ist. Bekommt man doch bescheinigt, dass er daher kommt, wo er halt laut Etikett auch herkommen sollte. Einer für Rotwein nicht unbedingt gepriesenen geografischen Herkunft. Okay. Aber was hat ein Gesöff, das es für 2,54 DM in der Ein-Liter-Flasche gab nun aber mit Liebe zu tun?

Ganz einfach.

Damals mit 15 und einer Abneigung für Bier war Mazedonischer Kadarka wie ein Geschenk Gottes. Lieblich. Aus heutiger Sicht ein Todesurteil, aus damaliger Sicht die einzige Form, in der sich Rotwein trinken ließ. Wobei trinken bei mir und meinem Freund Gunnar etwas beschönigend beschrieben wäre. Ich sollte eigentlich von Hinterkippen sprechen. Und das vor dem Eingang unser damaligen Disko, der Mülltonne oder wie wir Ausgehprofis zu sagen pflegten, Achtung jetzt kommt etwas wirklich Kreatives, der “Tonne”. Da saßen wir also, rauchten goldene Benson&Hedges, kippten unseren Mazedonischen Kadarka mit frischem Jahrgang in großen Schlucken und freuten uns der rasch einsetzenden Wirkung. Ohne die Zigaretten hätte man vielleicht sogar von Ex-en sprechen können.
Billiger Rotwein gehörte zu unserem Wochenende genauso wie das Becks, welches jedes Mal die Dichtungskappe auf den Mazedonier legte. Das holten wir uns immer für den Getränkegutschein, den man für das Eintrittsgeld in die Tonne bezahlte. Und es besiegelte mit seiner Unterschrift den Vertrag zu einem unglaublich guten Vollrausch, den der Kadarka vorher schon aufgesetzt hatte. Wir fühlten uns prächtig. Und mächtig betrunken.

So ungefähr ist es eben auch mit der Liebe.

Für mich damals war Mazedonischer Kadarka der Wahnsinn. Aus heutiger Sicht ein so dermaßen tiefer Griff ins Klo, dass man schon den Arm eines Michael Jordan bräuchte, damit man ihn als halbwegs passende Metapher beschreiben dürfte. Und ungefähr so ist es mit der Liebe. Man weiß immer nur, wie gut sie sein kann aus dem, was man in der Vergangenheit hatte. Aus heutiger Sicht bin ich mir nicht einmal sicher, ob ich so manches aus der Vergangenheit Liebe nennen könnte.
Auch, wenn es sich damals haargenau so angefühlt hat. Man dachte: das muss sie sein, die Liebe. Genauso aber, wie man Mazedonischen Kadarka für die Spitze der Winzerkunst hielt. Also ich tat das. Nicht unbedingt jeder. Aber ich bin eben der, welcher das gerade schreibt. Deshalb zählt eben meine Erinnerung. Die kann im Übrigen durchaus verklärend sein und ist immer durch die Zeit beeinflusst, aus der sie kommt.

Daher auch dieser Vergleich mit dem kleinen Mann aus Österreich mit der merkwürdigen Gesichtsbehaarung und dem einzelnen Hoden.

In meiner Familie gibt es jemanden, den jeder nur Kolke-Opa nennt. Was relativ simpel zu erklären ist, wenn man daher kommt, woher ich komme. Relativ nah an der polnischen Grenze in Brandenburg. Kolke-Opa ist nämlich ein Opa. Was man schon von Weitem an seiner Kopfbedeckung und den weißen Haaren darunter erkennen kann. Meist auch am Stock un dem langsamen Gang. Aber das darf bei über 90 Jahren ja auch durchaus mal erlaubt sein. Dieser Opa wohnt jedenfalls in Kolkwitz. Daher also das Kolke. Woher das Opa kommt wissen wir ja schon.
Kolke-Opa ist jedenfalls wie gesagt sehr alt und kennt den Zweiten Weltkrieg daher auch nicht nur aus dem Geschichtsunterricht oder durch Spiegel-TV. Nein, er war live dabei. So wie Antonia Radozs es im Irak und Afghanistan immer für RTL war. Jetzt ja für das ZDF.
Er erzählt dann immer, dass er, als er von der Ostfront zurückgekehrt ist, man merkt hier schon, Kolke-Opa hat viel erlebt und ist nicht so ein Freizeitsoldat von der Westfront so mit französischen Dirnen und Bordeaux, nein, Kolke-Opa hat dem Russen die Stirn geboten, ja. Naja jedenfalls erzählt er immer, dass als er von der Front zurückkam und ihm erzählt wurde, was der kleine Österreicher so in Deutschland angestellt hat, während Kolke-Opa für ihn in der eisigen Kälte Russlands seinen Allerwertesten für ihn hinhielt, dass er es gar nicht glauben konnte.

“Was soll der Hitler gemacht haben? Nein, nie im Leben.”

Doch, hatte er. Aber Kolke-Opa, der damals noch eher Kolke-Jüngling war, mochte es nicht glauben. Der Mann der Vollbeschäftigung und Autobahnen gebracht hatte, sollte so einfach und wahllos und ohne Grund Juden gemordet haben? Ja, also er nicht selbst. Aber die anderen für ihn.
Ganz egal wie. Er konnte es nicht glauben. Und musste es dann doch für wahr nehmen.

So ist es auch mit der Liebe. Man kann meist gar nicht glauben, dass etwas vielleicht doch nicht so war, wie man dachte. Manchmal ist es dann furchtbar, wie bei dem kleinen einhodigen Österreicher. Und manchmal ist es großartig. So wie bei der Liebe. Zumindest dann, wenn man feststellt, dass sie noch viel toller ist, als man bisher dachte, dass sie es sein könnte. Man glaubt es erst nicht. Und stellt dann aber relativ schnell fest, dass es doch so ist. So wie ich gerade.

This entry was written by Seb, posted on Februar 26, 2009 at 11:53 pm, filed under . Leave a comment or view the discussion at the permalink.

Baustelle.

Hello and welcome to your new favourite German website. Currently it’s under construction but in the near future it will feature lots of Schwarzwälder Kirschtorte, Bier, Schäferhunde, Dirndls, Lederhosen, Kuckucksuhren, Volkswagen and maybe a Franz and a Heidi.

This entry was written by Seb, posted on Februar 16, 2009 at 12:41 pm, filed under Change. Leave a comment or view the discussion at the permalink.

Paris, je t’aime.

I’m officially off to Paris now. Well, actually the plane takes off tomorrow. For all that stuff you may go to Paris to. Love (top picture). Croissants. Red wine. Cafe au lait. The Louvre. The Sacré-Coeur. Galerie Lafayette. Colette. Friends. And certainly for the birthday of a young (she probably would argue against that), sweary Australian lady (bottom hiding behind her hair).


This entry was written by Seb, posted on Februar 4, 2009 at 4:38 pm, filed under Break. Leave a comment or view the discussion at the permalink.

Joe Ades.

Found this on PSFK.COM today and thought it is great. Not only the appreciation for Joe Ades but his video as well. Sometimes it’s that easy to sell stuff. Be nice. Be entertaining. Have a good product. React to the people interacting with you.

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This entry was written by Seb, posted on at 4:29 pm, filed under Think. Leave a comment or view the discussion at the permalink.